I-PROTEST – Leipziger Protest-Blog
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Ist Gerald Hüther ein Scharlatan? Und ist das wichtig?

Artikel vom 01.09.2013 von



Läuft Hüther gegen DIE ZEIT?

DIE ZEIT hat am Freitag einen Artikel über die neuen Bildungsreformer, ganz im Speziellen Gerald Hüther, veröffentlicht. Und er ist vernichtend, brutal und lässt weder ein gutes Haar an der Gallionsfigur noch an der aktuellen Strömung, die mit Hüther, Richard David Precht und Jesper Juul Pädagogen und Politiker im Land von der Idee eines neuen Bildungssystems begeistert. Doch was ist das Motiv zu diesem Artikel. Wo nimmt Redakteur Martin Spiewak diesen, man muss schon fast sagen, Hass her, um so eine Schmähschrift gegen die Reformer - und im Speziellen gegen Hüther - zu schreiben? Und davon unabhängig: Ist die Kritik berechtigt?

Martin Spiewak ist Redakteur bei der ZEIT und nach eigenen Aussagen ist Bildung sein großes Thema. Er arbeitete ein  Jahr mit Straßenkindern in Mexiko und Kolumbien und arbeitet seit 1999 bei der ZEIT.

DIE ZEIT zielt nach Wikipedia-Angaben auf Leser mit höherem Bildungsstand, besonders Akademiker, ist politisch "liberal" und "pflegt die Debatte", versucht also, Themen von verschiedenen Seiten zu beleuchten, um den Leser bei der Meinungsbildung zu unterstützen.

Vor diesem Hintergrund lässt sich auch der vorliegende Aritkel von Martin Spiewak lesen. Es scheint, als nehme der Autor die öffentliche Darstellung der prominenten Bildungsreformer, besonders von Gerald Hüther, als sehr einseitig wahr und wolle darum ein Gegengewicht dazu schaffen, dass Gerald Hüther in seinen Augen als "Bildungsprophet" wahrgenommen werde. Leider ist Herr Spiewak mit seinem Artikel weit über dieses Ziel hinaus geschossen, denn der vorliegende Artikel ist keine Gegendarstellung, sondern eine erstklassige "Character Assassination", wie man in Amerikanischen Wahlkämpfen häufig hört: also ein Attentat auf den "Leumund", also die öffentliche Meinung, über Prof. Gerald Hüther, der ja eigentlich gar "kein richtiger Professor" ist, wie der Artikel verrät, sondern ein kleiner wissenschaftlicher Mitarbeiter mit großen Träumen zum Bildungssystem, der als "totes Holz" (siehe Artikel, Seite 2, 5. Absatz) seiner Hochschule auf der Tasche liegt.

Und noch trauriger: Der Autor zieht damit nicht nur Herrn Hüther durch den Kakao, sondern diskreditiert damit eine Strömung, die bundesweit Eltern, Lehrer und Politiker begeistert und zu Taten anregt, das Schulsystem neu zu überdenken. Sei dahingestellt, ob absolut jede Idee davon erfolgreich ist.

Das Hüther-Leumunds-Attentat

Ich muss selbst zugeben: Als Gerald Hüther damals die Bühne der Öffentlichkeit betrat, fand ich ihn selbst etwas ungewöhnlich. Ich habe ihn nur über das Internet kennen gelernt. Und ich schlug sofort nach dem ersten Video, das ich vom ihm gesehen hatte, seinen Professor-Titel nach. Ich war sofort ein wenig misstrauisch. Ich vermute, ihm fehlt einfach die gewisse Abgehobenheit und Selbstgefälligkeit, die natürlich nicht alle Professoren, aber doch einige Professoren, die öffentlich auftreten, mit auf die Bühne nehmen. Und bevor ich dafür jetzt in den Boden kommentiert werde: Bitte prüfen Sie erst Video-Vorträge von Professoren und sagen Sie mir dann, wenn ich falsch mit dieser Behauptung liege.

Jedenfalls schlug ich nach und fand auf Wikipedia, dass Prof. Hüther zwar habilitiert ist, aber nur als wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitet. Im Artikel (letzter Absatz auf Seite 1) selbst wird erklärt, dass Prof. Hüther mit diesem Titel von der Universität im Rahmen einer außerplanmäßigen Professur "dekoriert" worden sei. Soweit so gut. Und für diese Informationen bin ich der ZEIT und natürlich der Recherche von Martin Spiewak dankbar. Es ist gut zu wissen, wer der Prof. Gerald Hüther ist, der bundesweit von Bildungswandel referiert.

Doch außerhalb von den Fakten verliert mich ZEIT-Autor Spiewak vollkommen: Der Rest des Artikels sprüht von Hass und Missgunst, nicht nur gegen Hüther, sondern auch gegen Precht und Juul und diese ganzen "Bildungsrevoluzzer". Im Einzelnen:

Im Artikel verliert Spiewak keine Zeit und startet direkt:

Dabei ist Hüther [kein] ordentlicher Professor [...] Seine Kenntnisse über den Schulalltag beschränken sich größtenteils auf Angelesenes oder Gehörtes. [...] Befreit von den Mühen der Empirie [im Sinne von Belegbarkeit], betören Hüther und andere Bildungskritiker ihre Zuschauer wie einst die fahrenden Wunderdoktoren mit gewagten Diagnosen und Vorschlägen für bizarre Kuren zur Rettung des angeblich todkranken Patienten Schule

Das trifft gleich direkt ins Mark eines jedes "Hüther-Jüngers". Alles erlogen, keine Expertise, alles nur "angelesen". "Wunderdoktor", "gewagte Diagnosen", "bizarre Kuren". Spiewak sprüht gleich zu Beginn Gift und Galle gegen Gerald Hüther und seine "Wunderdoktoren"-Freunde.

Und es geht weiter:

Dabei senden diese Bücher eine unheilvolle Botschaft aus. Sie erklären unsere Schulen für irreparabel krank und beleidigen damit unzählige Lehrer, die sich anstrengen, den Schulalltag zu verbessern.

Hier findet sich gleich das nächste Problem in Spiewaks Artikel. Er verwechselt "Schule" mit den unterrichtenden Lehrern. Doch niemand, besonders nicht die Bildungsreformer, werfen den Lehrern vor, schuld an der Misere zu sein. Nein, zur Schule gehören auch ihre Regeln und Lehrpläne und Schulordnungen und Unterrichtseinheiten. Und genau das wird von den Bildungsreformern kritisiert, nicht die Lehrer. Und genauso erklärt sich auch, warum der Autor später im Text nicht verstehen kann, dass Lehrer sich nicht, wie er, gegen die Bildungsreformer wenden:

Da müssten eigentlich alle Lehrer beleidigt aufschreien. Aber der Nimbus der Autoren – "Europas bedeutendster Familientherapeut", "Deutschlands bekanntester Philosoph" – scheint alles zu rechtfertigen.

Er erklärt es sich stattdessen damit, dass die Eltern und Lehrer - ganz verzaubert von den Titeln der Bildungsphilosophen - alles glaubten, was diese zu sagen haben. Vielleicht ist genau das auch eine Erklärung für Spiewaks Konzentration auf die Diskreditierung und aufs Kleinreden von Hüther und Co: Er glaubt, die Anhänger und Besucher ihrer Vorträge hören wegen ihrer Prominenz zu - nicht wegen ihrer Inhalte.

Im Anschluss folgt eine eher überraschend sachliche Schilderung über den akademischen Lebensweg von Gerald Hüther, die durchaus lesenswert ist (Artikel, ab Seite 1, letzter Absatz) und die Hüther als "einfachen", eigensinnigen wissenschaftlichen Mitarbeiter mit Professor-Titel darstellt, der mehr Wind um sich macht, als ihm laut Martin Spiewak zustehe.

Leider ist auch dieser Abschnitt des Artikels dann bald wieder mit Beleidigungen übersäht:

Wer in Göttingen danach [nach der Forschungseinrichtung "neurobiologische Präventionsforschung"] sucht, findet am Ende eines langen Flures nur Raum E105 – das Zimmerchen von Gerald Hüther. [...] In der Hauptsache widmete er sich der Wirkung von Serotonin im Gehirn, einem wichtigen Botenstoff. Meist arbeitete er mit Ratten. [...] Dead wood nennt man solche Hochschulangehörigen [die wie Hüther für das Vorantreiben eigener Projekte statt Hochschulprojekten trotzdem Geld beziehen] in den USA. Nur selten aber kommt es vor, dass das, was innen als "totes Holz" gilt, nach außen als blühendes Beispiel der Disziplin erscheint.

Es folgt ein langer Teil des Artikels, der Hüthers Reden und Inhalte mit der von Spiewak angenommenen Scharlatanerie von Hüther in Verbindung bringen soll:

Mit ihrer Hilfe wurde aus dem einst seriösen, aber unbekannten Arbeiter im Weinberg der Wissenschaft ein Popstar der Hirnforschung. Heute ist Hüther Mitglied im Rat für kulturelle Bildung, er begleitet das Thüringer Kultusministerium beim Aufbau einer "Neuen Lernkultur in Kommunen" und die Vodafone-Stiftung in Fragen der "schulischen Elternarbeit".

Ein wenig weiter im Text fällt auf, dass Autor Spiewak für seine Kritik an den Inhalten Hüthers allerdings, genauso wie er es eigentlich Hüther vorwirft, keine Quellen vorweisen kann. Er behauptet zum Beispiel:

Wieder protestierten Fachleute gegen die vereinfachte Sicht auf die Aufmerksamkeitsstörung [...] Keine dieser pädagogischen Ideen ist neu. [...] Während es einem Schüler aus dem bildungsbürgerlichen Berlin-Mitte leichtfallen mag, sich den Unterrichtsstoff selbst zu erarbeiten, kann der Hartz-IV-Junge aus Neukölln damit große Probleme haben. Er braucht eher klare Strukturen statt Selbstorganisation. [...] Nur lässt sich eine Partizipialkonstruktion leider nicht so lehren, dass es "unter die Haut geht" (Hüther).

An einer Stelle verweist Spiewak dann auf eine Studie, die seine Meinung untermauern soll. Der Text-Link bringt den geneigten Leser dann allerdings nur auf ein Interview der ZEIT mit dem Autor der Studie:

Erst kürzlich hat die große Metaanalyse des neuseeländischen Bildungsforschers John Hattie belegt, wie gefährlich es ist, den Pädagogen im Klassenraum zu marginalisieren.

Im Interview selbst (das Spiewak mitgeführt hat) ist dann allerdings zu lesen, dass diese Studie von John Hattie eine Metaanalyse von 800 Metaanalysen ist, die 50.000 Einzelstudien zusammenfasst. Das kann man sich so vorstellen: 50.000 Studien arbeiten direkt mit Schülern oder Schulen, dann schauen 800 Auswerter auf diese oder jene aus den 50.000 Studien und dann schaut John Hattie auf diese 800 Metastudien und bildet sich dazu eine eigene Meinung. Von der "Empirie", die Martin Spiewak von Gerald Hüther fordert, ist eine solche Metastudie meilenweit entfernt. Also allenfalls so glaubwürdig wie die Aussagen und Überlegungen eines wissenschaftlichen Mitarbeiters (Hüther), eines Philosophen (Precht) und eines Spieleforschers Familientherapeuten (Juul).

Autor Spiewak zieht dann noch ein fragwürdiges Register:

Anfang dieses Jahres warnte sogar der Sektenbeauftragte der katholische Kirche in München vor der Sinn-Stiftung. Deren Arbeit beruhe "auf wissenschaftlich nicht belegbaren Erkenntnissen" –jenen von Gerald Hüther. Dann wurde bekannt, dass es auf der Alm zu sexuellen Übergriffen durch einen Betreuer gekommen war. Da zog Hüther die Notbremse und verließ die Sinn-Stiftung.

Dieser Absatz ist absolut ironisch. Nicht nur, dass der Sektenbeauftragte (!) der katholischen Kirche (!)  von "wissenschaftlich nicht belegbaren Erkenntnissen" spricht. Wobei man auch unterscheiden muss und hier ein Fehler vorliegt: "Nicht belegbar" und nicht belegt sind Unterschiede. Je nachdem, wie man es angeht, wären Hüthers Behauptungen durchaus wissenschaftlich untersuchbar und belegbar oder falsifizierbar.

Und bezüglich der sexuellen Übergriffe. Das ist natürlich schlimm. Und die Situation mit demjenigen Betreuer scheint komplexer zu sein, da er wohl ein "genialer Pädagoge" war, den "die Kinder liebten". Wer sich eine eigene Meinung bilden möchte: hier der Spiegel-Artikel.

Am Ende schießt Spiewak dann noch einmal den Vogel ab:

Dabei gibt es die alte Schule schon heute nicht mehr, auch wenn die Gurus die "Lernfabrik aus der Blütezeit der Industrialisierung" (Juul) für ihre Argumentation reanimieren. Doch dieses Zerrbild ist genauso falsch wie die Utopie einer Schule ohne Klassen, Fächer und Lehrer, die lehren. Da hilft nicht einmal die Hirnforschung.

"Zerrbild", "falsch", "Utopie" - Spiewak scheint es genau zu wissen.

Schlussgedanken

DIE ZEIT versteht sich als Zeitung für Bildungsbürger. Und genau für Bildungsbürger ist dieser Artikel geschrieben. Viele Menschen, die jahrzehntelang im Schulsystem gehangen haben (wie ich selbst), hören es nicht gern, wenn ihnen jemand erzählt, dass das Schulsystem, in dem sie 8 Jahre lang bleiben mussten (Schulpflicht, Druck der Eltern) und mit dem sie sich quasi zwangsarrangieren mussten, dass dieses Schulsystem scheiße sei, um es mal vulgär-einfach auszudrücken. Wenn das nämlich so wäre und ein Mensch sich damit quasi in seinem Schülerleben zwangsarrangiert hätte und nun plötzlich hören würde: "Wir machen das jetzt anders". Wie würde sich dieser Mensch wohl fühlen? - Meine Annahme ist, ziemlich "beschissen".

Und so argumentiert Spiewak, der darüberhinaus so scheint, als hätte er ein persönliches Hühnchen mit Gerald Hüther zu rupfen, das Schulsystem sei in Ordnung, die Lehrer geben sich ja Mühe und alles wird besser. Doch genau davon haben die Leute die Nase voll! Deswegen hören Lehrer und Eltern und Schüler und Politiker ja Hüther & Friends so gerne zu: Sie sprechen die Wünsche aus, die sich in den Menschen schon seit Jahrzehnten regen. Und ja, sicher ist Gerald Hüther kein echter Guru. Und sicher sind es genauso wenig Precht oder Juul.

Aber hier ist die Neuigkeit: So etwas wie Gurus gibt es ohnehin nicht. Und gab es auch nie. Der Genie-Kult, der in Deutschland spätestens nach Goethe blühte und mit dem sich auch einige Universitäten jahrhundertelang beweihräucherten, fliegt in unserer heutigen Zeit immer mehr auf. Natürlich gibt es kluge Menschen, brillante Menschen mit großartigen Fähigkeiten.

Doch kein Professor-Titel und keine öffentliche Genie-Huldigung verleiht einem Menschen plötzlich magische Geisteskräfte. Keine akademische Urkunde oder Veröffentlichungen in einem naturwissenschaftlichen Magazin machen einen Menschen plötzlich zum astralen Superwesen. Alle Denker sind auch nur Menschen. Und alle Menschen sind Denker (mehr oder weniger 😉 ).

Entscheidend ist: Für die Ideen, die er vorbringt und öffentlichkeitswirksam präsentiert, ist völlig egal, ob Gerald Hüther ein strahlender Professor und Leiter eines eigenen Instituts ist oder ein "kleiner" wissenschaftlicher Mitarbeiter mit Begeisterung für Bildung, einer Vision und einer sehr guten Fähigkeit als Redner.

Deswegen kann ich alle Menschen, die in der aktuell wieder aufgeflammten Bildungsdiskussion mitreden, nur dazu anhalten: Bitte diskutieren Sie nicht die Pfadfinderabzeichen und Hochschultitel der Personen - diskutieren Sie die Inhalte! Sachlich, fair, respektvoll. Und mit der Bereitschaft, von der eigenen Meinung dann abzurücken, wenn man überzeugende Argumente erhält.

Ich denke, das ist der Weg, wie wir voran kommen werden.

-- Hagen Grell.

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Kommentare (72) Trackbacks (0)
  1. Danke Herr Spiewak für diesen Artikel.

  2. Ihre Frage: "Ist Hüther ein Scharlatan?"
    Wenn ich mir die Definiton dieses Begriffes in Wikipedia und dem Duden anschaue, steht dort:
    "Als Scharlatan wird eine Person bezeichnet, die vortäuscht, ein bestimmtes Wissen oder bestimmte Fähigkeiten zu besitzen.[1] Als Scharlatanerie wird die Verhaltensweise eines Scharlatans bzw. die Schwindelei eines Scharlatans bezeichnet"
    Wenn Hüther sich also als "Leiter der Zentralstelle für präventive Hinforschung" präsentieren lässt, die nichts mehr war als ein Papiertiger, aber den Eindruck vom Fachkompetenz und jeder Menge Forschung erwecken soll, ebenso wie sein (legaler) Professorentitel, der mit nichts gefüllt ist, sondern lediglich eine nette Geste der Uni Gö, und auch widerum Fachkompetenz ausstrahlen soll, dann muss man zwangsläufig ihre Frage so beantworten:
    Ja G.Hüther ist ein Scharlatan.
     

    • Durchaus interessante Argumentation. Könnte ich sogar bis zu einem gewissen Grad zustimmen. Allerdings nennt der Wikipedia-Artikel noch weitere Wortherkunftselemente: „… standen im Mittelalter in dem schlechten Ruf, als Stadtstreicher durch die Gegend zu ziehen und arglosen Menschen mit Gaukeleien und Betrügereien das Geld aus der Tasche zu ziehen“. Wenn ich an Scharlatan denke, dann kommt mir genau auch dieser Aspekt in den Kopf.

      Und von der Warte aus würde ich argumentieren, dass Herr Hüther kein Scharlatan ist. Wenn man ihm aber ankreiden möchte, durch Status und Populismus seine eigene Agenda voran zu treiben und Geld zu verdienen, dann könnte und sollte man das genauso dem Autor des Artikels Martin Spiewak vorwerfen, der (da kann ich schwerlich an Zufall glauben), sich eine extrem populäre Person in Bildungskritikerkreise herausgepickt hat, um ein Exempel zu statuieren (seine Agenda verfolgen) und damit extrem viele Klicks und Likes für die Zeit zu generieren und so seinen Arbeitsplatz zu sichern und vielleicht auf eine Beförderung hinzuarbeiten (persönlicher finanzieller Profit).

      Insofern wirft hier ein Aktivist (im weitesten Sinne) einem anderen genau das vor, was er selbst betreibt. Darum ist die moralische Überlegenheit, mit der Spiewak seinen Fall präsentiert, absolut unangebracht. „Scharlatan“ wird ja auch abfällig verwendet und genau so geht Spiewak mit Hüther um. Wenn Spiewak dabei selbstkritisch geblieben wäre, hätte es durchaus einen interessanten Artikel abgegeben, der sowohl Hüther als auch Spiewak hätte weiter bringen können. So aber ist es aus meiner Sicht nichts weiter als die selbstverliebte Hassschrift eines Heuchlers.

      • Sehr geehrter Herr Grell,
        ist schon interessant wie sie Herrrn Hüther zu verteidigen suchen.
        Ich frage mich nach ihrer Motivation.

        Interessant auch ihre Ansicht über die Wortherkunft, wobei es unerheblich ist wie welches Wort vor Jahrhunderten entstanden ist, sondern wie dies Wort heute gebräuchlich ist.
        Wenn ihnen das nicht schmeckt beziehen wir uns doch auf den Duden:

        "jemand, der bestimmte Fähigkeiten vortäuscht und andere damit hinters Licht führt"

        Ob auf Herrn Spiewack dieses zutrifft war gar nicht IHRE Ausgangsfrage, und ändert auch gar nichts an dem Sachverhalt das Herr Hüther als Scharlatan demnach bezeichnet werden könnte.
        IHRE Eingangsfrage war "ist Gerald Häther ein  Scharlatan und ist das wichtig?"
        Alle anderen von Ihnen genannten Punkte haben offensichtlich das Ziel, diese einfach zu beantwortende Frage zu verwischen, wenn die Antwort nicht ausfällt wie gewünscht.
         

         

         

        • Och, Herr Thiede, ich argumentiere mit Ihnen nur, weil es Spaß macht. Ist mir eigentlich egal, was Sie denken. Aber da Sie sich schon die Mühe machen, mich überzeugen zu wollen, kann ich mich ja bisher drauf verlassen, dass Sie in die Diskussion einsteigen. Dann lassen Sie mich hier wenigsten in diesem Gedankenaustausch nicht so schnell allein 😉

          Nehmen wir die Definition des Dudens, die Sie zitieren und mit der ich leben kann: „jemand, der bestimmte Fähigkeiten vortäuscht und andere damit hinters Licht führt“. Der Aspekt des „hinters Licht Führens“kam in Ihrem letzten Kommentar für mich nicht genug heraus, weswegen ich dieser Definition eher zustimme und darauf basierend behaupten würde: Nein, er ist kein Scharlatan.

          1. Woher wissen Sie, dass er die Fähigkeiten nicht tatsächlich besitzt? Nur weil er den Status nicht besitzt, den der Professorentitel vermeintlich vermittelt, heißt das nicht, dass er die Fähigkeiten nicht besitzt. Wenn Sie das nicht belegen können, wäre schonmal diese zwingende Voraussetzung für die Bezeichnung als Scharlatan nicht erfüllt und die Logik würde gebieten, ihn nicht als solchen zu bezeichnen.
          2. Andere hinters Licht führen ist weiterhin eine bewusste Täuschung. Können Sie beweisen, dass er bewusst Andere hinters Licht führt oder ist das nur eine Spekulation auf Basis des von Ihnen als „trügerisch“ angenommenen Professorentitels?

          Beide Voraussetzungen müssen laut Duden erfüllt sein. Bin gespannt auf Ihre Argumentation!

          • ach, mir macht das auch Spaß.

            Spaß insofern, da ich merke, das sie Fragen z.B: ihrer eigenen Motivation ausweichen.

            Sie schrieben "Andere hinters Licht führen ist weiterhin eine bewusste Täuschung. Können Sie beweisen, dass er bewusst Andere hinters Licht führt? "

            Ja kann, ich. Dafür alleine reicht der Umstand das Herr Hütherüber Jahre sich als "Leiter der ""Zentralstelle" für präventive Hirnforschung" bezeichnet hat.
            Alleine dieser Umstand ist es, den die Bezeichnung Scharlatan verdient. Und es reicht nicht zu vermuten, das er sich dieses glanzvolle Wissen irgendwie schon angeeignet haben könnte.

            Und noch etwas anderes.

            Sie bezichtigen Herrn Spiewack des Hasses und das er Herrn Hüther verunglimpfe.
            Dabei sind sie es der Herrn Spiewack genau dieses auf unsägliche Art und Weise antut.

            Ihr Beitrag ist journalistisch  gesehen auf ganz niedrigem Nieveau, anders als der gut recherchierte Arikel von Herrn Spiewack.

          • LOL, Sie kleiner Troll! „Ihr Beitrag ist journalistisch  gesehen auf ganz niedrigem Nieveau, anders als der gut recherchierte Arikel von Herrn Spiewack.“ Alles klar 😉 Unterhaltung beendet.

  3. Ich habe mich, als ich mit einer dualen Ausbildung (zum Kfm. im Einzelhandel) begann, bereits mit Themen wie der Bildung, Gewalt, Arno Gruen und Gerald Hüther beschäftigt und in meiner Berufsschule stelle ich fest, dass gerade die engagierten Lehrer unter den Fesseln leiden, die aber auch die Lehrer sind, in der sich die Schüler am besten verhalten, hingegen die konservativen Lehrer mit den Schülern oftmals zu kämpfen haben oder die Lehrer aber so einschüchtern wirken, dass die Schüler zwar kein Ärger machen, aber nicht begeistert am Unterricht teilnehmen. Ich leide da z.b. wie auf Knopfdruck unter starker Müdigkeit, während ich bei den engagierten Lehrern wieder voll aktiv bin.

    Ich sehe die Bestätigungen sowohl von Hüther als auch von Gruen (aus seinem Buch "Wider dem Gehorsam) in meiner Schule.
    Gerade die Sache mit der Gewalt ist höchst interessant.
    Glücklicherweise habe ich eine offene Mitschülerin, bei der ich auch gerne mal meine Bestätigung suche.
    Ich selber leide ja auch unter der Angst der Ungehorsamkeit bei einigen Lehrern, darf mich aber auch nicht beschweren, da ich den Ungehorsam dort noch nie erprobt habe.

    Natürlich steht mein Empathie-Schalter auf "on" und verstehe auch die konservativen Lehrer.
    Ihre Methode scheint aus ihrer Sicht zu funktionieren.
    Schüler ruhig, Schüler schreiben einigermaßen gute Noten = passt alles.
    Die Nebenprodukte wie Unglück, ein …Hass auf Schule, auf die Themen, aufs Lernen und die Unterdrückung des eigenes Denkens usw. usw. sieht der Lehrer dabei leider nicht.
    Wenn man zu Hüther geht, würde er vermutlich sagen, dass der Lehrer auf der ersten Stufe der Stufenleiter… was war es? der Erkenntnis oder der Wahrnehmung ist?
    Er sieht alles nur aus seiner Perspektive und ist nicht in der Lage dazu das ganze Bild zu sehen, zu sehen wie sich die Schüler fühlen und was es mit ihnen macht/machen kann.

    Das Problem ist wirklich die fehlende Empathie bzw. Verständnis füreinander.
    Gewalt muss man immer dann nutzen, wenn man den anderen nicht verstehen kann oder/und will.
    Denn im Gewaltprozess steht man über den Willen des Beteiligten bzw. kämpft gerade darum, seinen Willen durchzusetzen.
    Anstatt mit den 100 Legoteilen ein gemeinsames Projekt zu bauen, will der eine dem anderen seine Steine wegnehmen um sein Projekt zu bauen, unabhängig davon was  der andere will, unabhängig davon der Frage nachzugehen ob man die Projekte nicht miteinander vermischen kann oder um bei der Schule zu bleiben:
    Viele Lehrer setzen ihren Willen durch ohne die Schüler dabei zu verstehen und verpasst die Möglichkeit eines kooperativen Unterrichts, eines Miteinanders.
    Es braucht schon die Lust und den Mut, die Begeisterung würde Hüther sagen, um als Lehrer sagen zu können: Ich werfe all die Jahre Lehrmethode die ich nutzte über Bord und probier (mit den Schülern) etwas Neues.

    Die Frage ist, wie man als Schüler nun den Lehrer dazu bringt diesen Schritt zu gehen?
    Indem man es fordert? Sagt was er für ein Idiot er sei?
    Oder eher wenn man ihn ermutigt doch ein Experiment zu wagen?
    ihn mit Argumenten und Ideen nicht kritisiert sondern eher begeistert?

    Das war auch schon ein problem der Mahnwache, denke ich.
    Anstatt zu ermutigen, zu begeistern, forderten sie, ließen sie Schuldgefühle entstehen und kritisierten sie…

    • Berechtigte Kritik und schöne Geschichte. Danke auch für die Anregungen :)

      Wie man es angeht, muss jeder für sich herausfinden, würde ich sagen. Niemand hat die Patentlösung für den nötigen Wandel, denn die jetzige Situation war noch nie so da. Aber das ist auch das Schöne daran: Jeder darf, alles kann, nichts muss :) Zwar stehen wir als Gesellschaft vor ernsthaften, vielleicht menschheitsbedrohenden Problemen. Aber ich glaube, ein bisschen Lockerheit in der Lösungsfindung würde dem Prozess auch ungemein helfen!

  4. Als 1. Vorsitzende engagiere ich mich für eine ganzheitliche Bildungs- und Gesundheitspolitik.
    DIE ZEIT ist armselig, wenn sie es nötig hat, diesen Artikel zu unterstützen. Journalisten instrumentalisieren somit DIE ZEIT. Wir brauchen eine gesunde, ganzheitliche Bildung. Ich schätze die Arbeit von Herrn Prof. Dr. Hüther und seine gleichgesinnten Kollegen sehr. Er ist ein sehr engagierter Wissenschaftler, der Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung stärkt. "Wer andere mit Dreck bewirft, liebe Journalisten, nährt sich selbst aus diesem Geist. Es sind Naturgesetze! Diese Geisteshaltung der Verantwortlichen ist sehr destruktiv. Der kluge Leser differenziert und kanalisiert: Guter Journalismus ist erkennbar. Hier hat DIE ZEIT versagt! Wir vernetzen uns und engagieren uns weiter! Ich glaube an eine universelle Ordnung :-)  Beste Grüße aus Fürth/Bayern

    • Großartig! Danke für Ihr Engagement! Und ich denke, dass man hier gerade den Ausspruch Gandhis berücksichtigen kann: Erst ignorieren sie dich, dann verspotten sie doch, dann bekämpfen sie dich. Und dann hast du gewonnen. Ich denke, mit dem Artikel ist Herr Hüther bzw. die „Neue Bildung“-Bewegung schon zwischen Phase 2 und 3. Noch ein bisschen durchhalten und es wird einen Erdrutsch geben. Da bin ich sehr zuversichtlich! 😀

  5. Vielen Dank für diese qualifizierte und sachliche Diskussion. Sie ist deutlich hilfreicher als die 327 Kommentare auf zeit-online. Ich frage mich allerdings, warum niemand auf die Idee gekommen ist, Herrrn Spiewak mal direkt anzuschreiben und um eine Stellungnahme zu bitten.

    • Danke für die Idee. Ist das noch nicht passiert? Könnte man wirklich mal machen! … Allerdings ist der Artikel jetzt bereits eine Weile her. Vielleicht sollten wir es „gut sein lassen“ und uns auf aktuellere Themen stürzen? :) Mach ich jedenfalls  :)

  6. Es läst sich sehr einfach auf eine einfache "Formel" herunterbrechen. Herr Martin Spiewak hat mit seiner Schmähschrift seine Visitenkarte abgegeben. Seine gequirlten Absonderungen kennzeichen eine wichtige Tatsache. Er ist genau im Trend dieser armseligen Verblödungsmaschinerie! Und gleich einer geistig verarmten Gesellschaftschicht, fehlt es ihm an Fantasie, einigen Abstraktionsebenen nach oben und einer höheren Bewusstseinsebene. Mit seinem Dreck, den er verbreitet, bestätigt er doch nur genau das, was Prof. Gerald Hüther vermittelt. Man möchte fragen: "Martin Spiewak, wo lassen Sie denken, und welchen Beruf schwänzen Sie?  Sie befinden sich im Begriff sich auf Kosten anderer aufzuwerten (auch ein schöner Satz von Hüther 😉 Wir müssen uns aber nicht wundern, dass Herr Martin Spiewak tut, was er tut. Er hat es nicht anders gelernt. Und wie soll das denn anders gehen, mit einer solchen Haltung? Was soll den rauskommen aus indoktrinierten Hirnen? Fragen wir Herrn Martin Spiewak doch einmal: Woher haben Sie das "Wissen", und womit können Sie beweisen, was Sie da behaupten? Wir wissen doch: Nachrichten heißen Nachrichten, weil sie  – z. B. von Herrn Martin Spiewak und seinem Chef – nachgerichtet sind, und wir uns danach richten sollen (Zitat von Andreas Popp, Wissensmanufaktur.net    

  7. Wie Schade, dass die Autoren von diesem Artikel hier sich nicht mit Bildungsforschung auskennen – es ist nicht schwer bei Google Scholar den Originalartikel von John Hattie zu finden und ihn zu lesen. Und John Hatties große Metaanalyse als subjektiver darzustellen als die Meinung von einem Dr. der Neurobiologie, der selbst nie Veröffentlichungen zu Schulpädgogik vorzuweisen hat, ist nicht nachvollziehbar. John Hattie ist einer der wichtigsten Erziehungswissenschaftler unserer Zeit, und beruft sich auf wirklich gute Studien mit reliablen und validen Messinstrumenten, sowie fundierter Theorie.

    Es ist sehr schade, dass viele Leute immer denken sie wüssten schon alles. Ich weiß vieles nicht, obwohl ich mich nun seit 9 Semestern mit Psychologie und Pädagogik im Studium beschäftige. Und ich weiß, dass ich es nicht weiß. Schon jetzt, nach einer so kurzen Zeit des Lernens, kann ich erkennen, dass Herr Hüther sich leider nicht auf wissenschaftliche Erkenntnisse beruft, wenn er über Erziehung und Bildung spricht, denn ich kenne die einschlägigsten Autoren. Solche Autoren zitieren echte Bildungsforscher wie John Hattie, die auch eine Schule öfter von innen gesehen haben.

    • Mich würde interessieren, ob sich deine Kritik nur auf den Ruf der beiden Männer stützt oder ob du auf Basis der Fakten argumentierst? – Ich zum Beispiel bin ein Gegner der Herangehensweise, dass man nur dann in einem Themenfeld mitreden „darf“, wenn man es studiert hat. Auch finde ich es hinfällg, wenn jemand zwar großartige Referenzen unter seinen Kollegen vorzuweisen hat, aber seine Argumente nicht der Prüfung standhalten. Insofern meine Frage: Könntest du mal die Argumente, denen bei bei Hattie anhängst, denen gegenüberstellen, die du an Hüther kritisierst? – So könntest du mich zB eher überzeugen als mit einem „Lebenslauf-Wettstreit“ der beiden.

      • Ich sehe nicht ihren Kritikpunkt, Herr Grell. Der Kommentar auf den Sie antworten, verweist darauf, dass erstens die Metaanalyse sehr wohl ein Instrument der empirischen Sozialwissenschaft ist (und damit nicht von der empirie weit entfernt ) und zweitens, dass Herr Hüther sich eben jenseits nachprüfbarer Fakten bewegt, ganz im Gegenteil von Hattie, dessen Metaanalyse innerhalb der scientific community auf Herz und Nieren geprüft wird – die sich aber auch jeglicher moderner, sicherlich auch wissenschaftstheoretischer Kritik, empirischer Arbeit ausgesetzt sieht. (siehe Kritik an PISA TIMSS und wie sie alle heißen: z. B. statistische Methodenkompetenz als Voraussetzung um Ergebnisse extrahieren zu können oder um zu einem brauchbaren Fazit zu kommen ). Also geht es mitnichten um den Vergleich von Lebensläufen, sondern um den Vergleich der Art und Weise wie wissenschaftlich Argumentiert wird (oder eben nicht). Was Sie jedoch versuchen ist Hüthers pseudowissenschaftliches Vorgehen zu schützen in dem sie Kritiker vorwerfen tatsächlich wissenschaftlich argumentativ sauber zu arbeiten?! Man muss die Art der Kritik, wie sie in der Zeit geäußert wurde, nicht mögen, aber man sollte sich doch mit Inhalten vernünftig auseinandersetzen ohne seinerseits polemisch zu werden! Beste Grüße

         

        • „man sollte sich doch mit Inhalten vernünftig auseinandersetzen ohne seinerseits polemisch zu werden!“

          — Stimme ich definitiv zu! Wenn Sie auf Polemik in meinem Artikel anspielen: Auch dazu stehe ich. Manchmal ist Polemik leider nur mit Polemik zu bekämpfen. Allerdings: Trotzdem stehe ich auch inhaltlich zu meinem Artikel. Ich habe, glaube ich, in einem der etlichen Kommentare zu diesem Artikel bereits kommentiert, dass Hattie schon allein dadurch voreingenommen ist (was ja ok ist), dass er von vornherein das jetzige Bildungssystem niemals in Frage stellt. Er fragt nur, wie man es besser machen könne. Das schon selbst halte ich für einen gravierenden Fehler. Und das Denken außerhalb des Althergebrachten schätze ich an Prof. Hüther, John Taylor Gatto, Sir Ken Robinson und vielen Anderen. Das heißt trotzdem, dass auch zB Prof. Hüther Fehler macht, die ich auch kritisiere. Eben besonders in der Wissenschaftlichkeit. Insofern sehe ich ihn tatsächlich auch eher als einen PR-Vertreter für die neue Strömung, die von anderen Vertretern (zB Manfred Spitzer) deutlich wissenschaftlicher aufgearbeitet und untermauert wird. Beste Grüße zurück! :)

  8. Prof. Dr. Hüther hat mich während des Pädagogik Studiums sehr Inspiriert! Wenn er nicht gewesen wäre, wer hätte dann überhaupt bei mir so ein starkes Interesse für neurowissenschaftliche Erkenntnisse in der Pädagogik entfacht! An unserer Uni gab es nicht viele Seminare mit neurobiologischen Bezug für Pädagogen! Das ganze schien einfach nebenher existiert zu haben ohne voneinander Kenntnis zu nehmen.

    Mit seinen Aussagen hat Herr. Hüther meinen Horizont erweitert, dabei weiß ich genau dass ich nicht der Einzige bin. Bei uns am Fachbereich wurde Herr Hüther in Seminaren gezeigt und regte die Studies an darüber zu diskutieren und mehr interdisziplinärer zu denken. Dass ist doch der Grundgedanke einer Universität. Und wer hat es gefördert? Prof. Dr. Hüther!  Dafür bin ich ihm sehr Dankbar!

                                                               

     

  9. nur zur Ergänzung und eigener Senf:

    „Die Bezeichnung kann von Hochschulen mit Promotions- und Habilitationsrecht an Personen verliehen werden, die promoviert sind, zumeist aufgrund der erworbenen Lehrbefähigung (Habilitation) die Lehrbefugnis (venia legendi) besitzen und zudem in Forschung und Lehre nach Ansicht ihrer Fakultät hervorragende Leistungen erbracht haben.“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Professur

    Das sagt doch einiges über den Stellenwert einer außerplanmäßigen Professur. Damit braucht man sich wirklich nicht zu verstecken und der Unterschied zu einer ordentlichen Professur liegt in verwaltungstechnischen Aspekten und sagt rein gar nichts über die Fähigkeiten eines Wissenschaftlers aus.
    Der Zeitartikel ist schon eine Dreistigkeit. Sich als einfacher Schreiberling gegenüber einem aktiven Individuum, der hinter seiner Idee steht und sie möglicherweise noch naturwissenschaftlich untermauern kann, in dieser Weise herzuziehen ist eine ungenügende journalistische Minderleistung. Und es ist äußerst traurig, dass die Zeit solch einen Schund auch noch veröffentlicht. Rufmord liegt da nicht fern. Wo bleibt nur der Respekt vor den Ideen und Leben eines anderen Menschen? Man braucht ja nicht der gleichen Meinung zu sein, aber was erlauben sie sich, Herr Zeit- „Journalist“. Machen Sie sich vielleicht mal besser Gedanken über sich selbst und ihren Hass auf Menschen, die für ihre Überzeugungen eintreten und aktiv werden. Oder spricht aus Ihnen nur der Selbsthass?
    Aber unbequeme Meinung wurden immer schon gerne niedergemacht, siehe Menschheitsgeschichte. Ist eine gute Idee erst einmal geboren, so ist sie schwer noch aufzuhalten. Schaun mer mal. In diesem Sinne, you cannot kill, what doesn’t die.

    • Die direkte Anrede des Zeitschreiberlings soll nur meinen Unmut über seinen Stil unterstreichen. Also nicht als Verwechslung mit dem Blogger auffassen;)

  10. Hallo Herr Grell,

    ich stimme Ihnen zu, wir sind alle nur Menschen und jeder ist in bestimmter Hinsicht mehr oder weniger voreingenommen.

    Menschen die sich in der Öffentlichkeit mit Ihren Thesen präsentieren müssen aber immer kritisch hinterfragt werden können.

    Nochmals zurüch zum Ausgangsthema, den Zeit Artikel, meine ich das auch diese Kritik durchaus berechtigt ist, es gibt genug Medienbeiträge über Herrn Hüther die sich einseitig positiv zeigen.

    MfG

    Walter Storz

    • Hallo Herr Storz,

      jetzt verstehe ich Ihren Ansatz sehr gut. Da stimme ich Ihnen 100%ig zu. Natürlich muss Hüther auch kritisch betrachtet werden dürfen, keine Frage. Und natürlich gibt es da Ansatzpunkte – zB genau auch die, die Spiewak in seinem Artikel anführt.

      Das ist auch so ein bisschen das Tragische an dem Artikel. Ich finde die Fakten interessant und hätte ihn 100% so stehen lassen. Was mich allerdings zum Handeln gezwungen oder sagen wir angetrieben hat, war die unbändige Arroganz und Missgunst, die in dem Artikel steckt – und zwar nicht nur gegen Hüther, aber der bekam am meisten ab.

      Ich hab gerade nochmal ins Original reingelesen. Das steht schon in der Einleitung „Hirnforscher“ ist dort in Anführungszeichen gesetzt, obwohl Spiewak selbst später bestätigt „Stattdessen hat Hüther viele Jahre lang in der neurobiologischen Grundlagenforschung gearbeitet, Untergebiet Neurochemie.“ Oder Sätze wie „Und stets wird ihn dabei eine Aura umstrahlen“ oder die im Artikel genannten.

      Ich weiß nicht, ich finde diese herablassende Schreibweise widerlich. Ich finde das beleidigend und respektlos. Selbst wenn ich so einen Artikel gegen jemanden, den ich überhaupt nicht mag, lesen würde, würde ich denken „ui, das geht weit übers Ziel hinaus.“ und würde den Artikel nicht zuende lesen. Und so entstand mein Artikel.

      Ansonsten stimme ich definitiv mit Ihnen überein. So ein kritischer/ investigativer Artikel über Hüther war sicherlich mal angebracht – nur eben nicht in dieser Form, finde ich :)

      LG, Hagen Grell

  11. Mich stört in einem Artikel, der sich mit ‚Bildung befasst, die „Gallionsfigur“. Sie ist mir um ein l zu dick.

    • Hallo Herr Mayer,

      meinen Sie meinen Artikel oder den von Martin Spiewak? Ich würde es so einschätzen: Sein Artikel beschäftigt sich nicht mit Bildung, sondern mit den „Gallionsfiguren“ der neuen Bildungsreformbewegung. Mein Artikel beschäftigt sich analytisch mit dem Artikel von Martin Spiewak.

      LG, Hagen Grell.

  12. Habe gerade ein paar Videos mit Herrn Hüther geschaut, er hat ja auch ein paarinteressante Ideen.

    Sehr verwundert hat mich allerdings das er bei You Tube Videos vor 2010 noch zwei Doktortitel hatte, zusätzlich zum Professor.

    Wenn Sie Worte wie “ Zimmerchen“ und „Wunderdoktor“ als beileidigend ansehen, würde ich mich für Ihre moralische Bewertung beim benutzen von Titeln, die es ansscheinend so nicht gibt, interessieren!

    MfG
    Walter Storz

    • Hallo Herr Storz,

      ich hoffe, Sie sehen es mir nach, wenn ich nicht auf Youtube alle Reden von Herrn Hüther nachschaue, die 2010 passiert sind. Würden Sie mir das Video bitte raussuchen und an der entsprechenden Stelle teilen. Das geht so: Sie spielen das Video an die entsprechende Stelle und gehen auf „Teilen“ unter dem Video. Dann Klicken Sie auf „Starten bei“ (das ist ein Kästchen zum Abhaken) und dann kopieren Sie den Link daneben. Sorry, wenn Sie das schon wussten, ich will nur ein unnötiges Hin und Her vermeiden.

      Vorher möchte ich mich nicht dazu äußern, denn ich habe in der Vergangenheit schon müßig mit Leuten über Dinge diskutiert, die nicht der Realität entsprachen. Nicht, dass ich das zwangsläufig in Ihrem Fall annehme. Aber ich möchte den genauen Kontext selbst sehen.

      Beste Grüße! Hagen Grell

      • Hallo Herr Grell,

        vielen Dank für die Anleitung zum verlinken,ich bin gespannt ob ich es hinbekomme:
        Video Prof. Dr. Dr. Hüther , School of Trust

        http://www.youtube.com/watch?list=PLXKVQmZ6KHhxpDZkCtnzUbsBW3uIyQer4&v=SEa21m5IAKY&feature=player_detailpage

        oder Prof. Dr. Dr. Hüther, Neurobiologe Universitäten Göttingen, Heidelberg, Mannheim über die Sinn-Stiftung bei Jump-TV hochgeladen am 29.10.2010

        http://www.youtube.com/watch?list=PL8A7BE78DA079436D&v=oNrMx6EhNmw&feature=player_detailpage

        hat doch nicht so geklappt wie es sollte, ich hoffe Sie können was damit anfangen.

        MfG

        Walter Storz

        • Hallo Herr Storz,

          gern geschehen. Und danke fürs Teilen. Da reden wir jetzt über dasselbe :)

          Mir ist jetzt dabei aufgefallen, dass man schon gerne mal auch mit zweierlei Maß misst. Also mir geht es auf jeden Fall so, wenn Sie das jetzt so verdeutlichen. Hätten Sie mir die gleichen Fakten bei Guttenberg präsentiert, hätte ich das sicherlich problematischer gesehen. Allerdings auch nicht so sehr. Bei Guttenberg hätte ich gesagt „Nun, der hat ja jetzt auch schon seinen ersten Titel nur ermogelt. Da fällt das nicht so ins Gewicht“. Es hätte meine Meinung von Guttenberg also nur geringfügig geschmälert. Und das aber eben – darauf deuten Sie richtig hin – weil ich Guttenberg arrogant fand und nichts mit dem anfangen konnte, was er sagte. Gerald Hüther dagegen finde ich sympathisch und bin (ohne bisher seinen Werdegang groß verfolgt zu haben) ziemlich auf einer Wellenlänge mit dem, was er sagt.

          Insofern würde ich jetzt sagen: Wenn Hüther den zweiten Titel absichtlich angegeben hat (wobei er auch einen zweiten haben könnte, oder? – Bekannte Persönlichkeiten bekommen gerne mal Ehrendoktoren), ohne ihn zu besitzen und nur um Eindruck zu schinden, fänd ich das schon bedenklich. Und auch unsinnig. Ich mein: Prof. Dr. würde ja reichen, um Eindruck zu schinden bei Leuten, denen Titel viel bedeuten.

          Aber was denken Sie? Sehen Sie das kritisch? Glauben Sie, es war Absicht von Hüther? Bzw. wissen Sie auch, dass er keinen zweiten Dr. (zB Ehrendoktor) hat? Und – mir sehr wichtig – wenn Sie das sehr kritisch sehen: Würden Sie das auch bei jedem anderen so kritisch sehen?

          LG, Hagen Grell.

          • Hallo Herr Grell,

            es ging mir eigentlich nicht darum ob Herr Hüther ein Doktor mehr oder weniger hat das scheint ja auch heute leider nicht mehr allzu viel zu bedeuten, (wer genug Geld hat kauft sich ein z.b in Tschechien)
            Es geht mir hauptsächlich um die Glaubwürdigkeit von Herrn Hüther.
            Nach lesen der Wikipedia und Psiram Seiten:

            http://de.wikipedia.org/wiki/Gerald_H%C3%BCther
            http://www.psiram.com/ge/index.php/Gerald_H%C3%BCther

            Ist meine subjektive Meinung über Herr Hüther egal wieviel Titel er seinem Namen anfügt kurz zusammengefasst:

            Gerald Hüther ist der „Erich von Däniken“ der Hirnforschung.

            MfG

            Walter Storz

          • Hallo Herr Storz,

            Sie schicken mich ganz schön in die Spur! Aber gut, ist ja auch interessant :)

            Auf Wikipedia kann ich Kontroverses nur in „Wissenschaftliche Kontroverse“ finden. Und da sieht es so aus, als würde er Behauptungen treffen, die er nicht belegen kann. Allerdings steht „Er äußerte 2002 die Befürchtung“, was nicht nach einem stocksteifen Behaupten trotz Gegenbeweisen klingt. Aber Sie haben schon recht, ich habe auch mitbekommen, dass er sich gegen Ritalin sehr kritisch äußerst. Allerdings – und da bin ich wieder voreingenommen – glaube ich persönlich auch, dass Ritalin in den meisten Fällen Geldmache ist und den sonstigen Beteiligten langfristig eher schadet denn hilft. Problematisch fände ich nur (das habe ich auch, glaube ich schon gesehen), wenn er seine Erkenntnisse aus der Rattenforschung als Beweis dafür anführt. Die scheinen ja nach Wikipedia-Artikel nicht so viel Halt zu haben.

            Allerdings nehmen es da sonstige Massenmedien auch nicht so genau, das muss man auch sagen. Ich habe neulich einen Artikel über eine neue Studie zu Alkohol im Focus gelesen. Und die haben die Aussage der Forscher falsch verstanden. Focus behauptete „das tägliche Glas Wein schadet nicht, wohingegen die Forscherin meinte „Da wir diesen günstigen Zusammenhang aber nur bei Menschen beobachteten, die zu Beginn der Studie gesund waren und auch in ihrer Vergangenheit nie zu den Vieltrinkern zählten, gehen wir eher von keinem kausalen Zusammenhang aus“. Die Berliner Zeitung stattdessen titelte „Auch in Maßen ist Alkohol nicht gesund“. Und der Focus-Artikel ist natürlich immernoch online – mit anschließender Video-Anleitung, wie man eine Weinflasche „richtig öffnet“. — Focus: http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/krebs/news/gesundheitsstudie-bringt-klarheit-glas-wein-forscher-streitfrage-wie-viel-alkohol-schadet-13_id_3540297.html — Berliner Zeitung: http://www.berliner-zeitung.de/wissen/alkoholkonsum-auch-in-massen-ist-alkohol-nicht-gesund,10808894,25881226.html

            Was Psiram betrifft: Denen habe ich auch lange geglaubt, bis dann auf der Liste immer mehr Leute aufgetaucht sind, mit denen ich teilweise übereinstimmte. Dann begann es aber langsam, für mich so zu wirken, als ob die Seite generell als reiner Online-Pranger mit Lexikon-Anstrich gedacht ist. ZB finde ich es bedenklich bzw. ich finde eigentlich, es geht gar nicht, so viel Kritisches zu schreiben und dabei anonym zu bleiben. Sicherheit hin oder her: Wenn man nicht mit seinem Namen dafür einzutreten bereit ist, wie viel Wert ist dann das Wort? Problematisch finde ich außerdem, dass dort eben nicht nur neutral geschrieben wird, sondern kleine Seitenhiebe überall verteilt sind. „Dafür wirbt er mit plakativen Aussagen wie“ oder „Vereinzelt wurde dem erziehungswissenschaftlichen Laien Hüther vorgeworfen“ gehören meiner Meinung nach nicht in eine „neutrale“ Berichterstattung. Und natürlich wählen die Psiram-Macher auch hauptsächlich die Quellen aus, die negativ über Hüther sprechen. So findet sich der Spiewak-Artikel, der Grundlage meines Artikels war, auch in deren Quellenliste.

            Kurzum: Ich verstehe ihre Besorgnis, dass Hüther nicht immer voll integer ist. Gehe ich mit. Allerdings: Bitte lassen Sie sich nicht von Quellen leiten, die selbst viele Integritätslöcher haben, und glauben Sie denen blind. Man muss sich immer selbst seine Meinung bilden – zu Hüther, zu Psiram, zum Focus, zur Zeit, zur Berliner Zeitung, zu Youtube – habe ich eine Figur oder Medienportal aus unserer Diskussion vergessen? :) Sie verstehen, was ich meine. Völlige Ehrlichkeit und Integrität erfüllen unsere Medien nicht – häufig eklatant nicht. Und natürlich würde ich Gerald Hüther auch nicht jedes Wort ungeprüft glauben. Doch mit der ein- oder anderen Aussage kann ich sympathisieren und dann forsche ich für mich selbst weiter.

            LG, Hagen Grell

  13. Ich bin kein Hüther-Jüngerin noch gehöre ich zu den Reformverweigerern um in den hier genannten Extremen zu bleiben.

    Ich habe das Gefühl, dass die Realität genau in der Mitte liegt und diese Realität wird hier in den Kommentaren nicht benannt. Ich komme aus einer bildungsfernen Familie und bin die Einzige die nicht nach der Hauptschule eine Ausbildung gemacht hat, sondern ich studiere und zwar Lehramt. Das mache ich, da unser Bildungssystem sehr selektiv ist und wir durch diese Struktur ein soziales Ungleichverhältnis haben. Ich selbst habe eigentlich nur aufgrund engagierter Lehrer einen Aufstieg geschafft und will diese Chancen weitergeben.
    Nicht nur bin ich sowieso schon sehr linksliberal eingestellt, ich habe selbst erfahren welche Defizite dieses System hat und lerne gleichzeitig was aktuelle pädagogische und psychologische Ansätze in der Bildungswissenschaft sind. Weiterhin bin ich vor kurzem als Frau von Mitte 20 mit ADHS diagnostiziert worden und nehme auch seit kurzen Medikinet (sprich den Wirkstoff Methylphenidat).

    –>“Schüler müssen bewertet werden, um angespornt zu werden und starke Leistungen zu erreichen”, “der Frontalunterricht ist die beste Lehrmethode”, “Theorie vor Praxis”, “Lehrer wissen per se mehr als Schüler”<–

    Solche Sätze hört man doch heutzutage höchstens von ultrakonservativen Hardlinern, gewiss nicht von den Leuten, die wortführend in der Gegenposition zu Precht, Hüther und Co sind. Und in meinen aktuellen Vorlesungen und Seminaren zu Didaktik, Bildungspsychologie und pädagogischer Psychologie hört man so was erst recht nicht. Es wird daher eine Gegenseite zu Hüther aufgebaut die es so gar nicht gibt. Zumindest nicht von den Leuten die aktiv in der Gestaltung des zukünftigen Schulsystems beteiligt sind. Vielleicht gibt es auch unter Pädagogen Leute die diese Haltung vertreten. Aber sowohl meine Dozenten für Didaktik und Pädagogik, meine Kommilitonen für Lehramt, Pädagogik und Bildungspsychologie als auch der überwältigende Großteil der Lehrer und Direktoren die ich kenne haben diese Position nicht.
    Das Spaß und persönliche praktische Erfahrung sehr fördernd beim Erlernen sind ist schon seit Jahrzehnten Konsens. Das es umso besser diese Atmosphäre in der Schule herzustellen zumindest seit Jahren. Da wird auch keiner Prof. Hüther widersprechen.

    Der Zeit-Artikel ist nicht ansatzweise fundierter als die Publikationen die darin kritisiert werden, wahrscheinlich noch weniger. Jedoch wurde hier in den Kommentaren ja auch schon gesagt, dass es eher um die Dekonstruktion der Person Hüther aber auch zum Beispiel Richard David Precht geht. Das Niveau auf dem dies geschehen ist wirklich nicht sehr hoch und weiterhin zeugt die Sprache fasst schon von Verbissenheit und Hass.
    Eines jedoch stimmt. Es gibt viele (und ich würde noch nicht einmal behaupten, dass es die Seminarteilnehmer von Hüther und Co sind, sondern eher die )Leute die Hüther, Precht und Co. nur verkürzt im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen sehen und dann noch die verkürzte Form ihrer nicht sehr inhaltsvollen Forderungen mitbekommen. Diese werden dann für bare Münze genommen und daher kenne ich sehr viele die genau diese Schwarz/Weiß-Sicht vertreten. Ganz klischeehaft gibt es dann gerade die halb wissende Hausfrau & Mutter die dann nach der Lektüre eines Buches von Hüther und eines von Precht meint besser als alle Lehrer zu wissen wie diese ihr Kind zu unterrichten haben. Ich behaupte nicht, dass auf den Seminaren Hüters ebenfalls nur unaufgeklärte Halbwissende teilnehmen. Aber es gibt unter vielen Eltern, zumeist denen deren private Erziehung sehr viele Defizite aufweist, viele die meinen alle Probleme ihrer Kinder beruhen auf dem Bildungssystem. Die die dann solch ein Buch lesen und dann nicht nur den Lehrer sondern das System kritisieren meinen dann noch sie währen aufgeklärt. Dabei haben diese kein bisschen Ahnung von Pädagogik oder Unterrichtsgestaltung. Sie wissen gar nicht, wie das aktuelle Schulsystem ist, meinen aber es entspricht der Schwarzmalerei dieser Bücher.

    Die Schulen pressen Schüler in formen und zerstören damit auch Entfaltungspotential das sehe ich ebenfalls. Verkürzung der Schulzeit, eine Deutschlandweite Gleichschaltung der Bildung zugunsten von Zentralabitur mit gleichen Hauptfächern und Co. sind nicht ideal. Genauso wenig wie eine Europaweite Gleichschaltung der Hochschulbildung. Man merkt, dass die Schule in dem Bereich im Vergleich zu früher sogar noch schlimmer geworden ist. Es wird verstärkt auf die Kompetenzen wert gelegt die förderlich für die Wirtschaft sind. Persönlichkeitsentfaltung in der Schule sowie kritische und philosophische Inhalte in der Universität fallen weg. Das bedauere ich beides Lehramtsstudentin für Geisteswissenschaften sehr. Ich meine sogar, dass die Schule dafür da sein sollte ein aufgeklärtes, kritisches und mündiges Selbstbewusstsein zu fördern. Sonst kann Demokratie doch schon gar nicht mehr funktionieren wenn das nur noch den Kindern aus gebildeten Häusern vorbehalten ist.

    Jedoch ist das Gegenmodell nicht Sprüche klopfen. Weder bei der Kritik des aktuellen Bildungssystems noch bei der Nennung von Alternativen. Mehr Freiheiten und Co. hört sich alles gut an. Doch zu denken Befreiung von Noten, Klassenstufen, Prüfungen und Stärkung von Projekten, Eigenverantwortung ist die Lösung aller Probleme ist realitätsfremd.

    Das ist eine Sache die der Zeit-Artikel richtig benennt. Diese Modellschulen haben meistens keine empirischen gesicherten Beweise (Stichwort noch nicht ein Jahrgang durchs Abitur gebracht). Doch vor allem sind die Schüler dort alles Schüler von Bildungsbürgern. Das sind alternativ Eingestellte mit sehr hoher Bildung, die die Kinder schon vorher gut erziehen. Mit diesen Kindern lässt sich solch ein Modell spielend durchziehen. Auch ohne empirische Beweise kann ich mir jedoch vorstellen, dass diese für solche Kinder ein besseres Modell ist.

    Als Großstadtbewohnerin kann ich jedoch sagen, dass selbst eine Gymnasial-klasse nicht mehr genügend Kinder aufweist und solch eine Schulform flächendeckend zu verbreiten. Über die Hauptschule brauch man gar nicht zu reden (und auch Gesamt- oder Gemeinschaftsschulen welche ich bevorzugen würde bringen diese Voraussetzung somit nicht). Es ist hart (und für mich als Kind aus einer bildungsfernen Schicht doppelt hart) aber nun einmal war: Das Hartz IV Kind, das nicht erzogen wurde brauch die Disziplin, in einem noch freieren Schulsystem gelingt ihm noch weniger als es jetzt schon der Fall ist.
    Wenn man dann gleichzeitig fordert, dass die Kinder in jungen Jahren mehr Freiheit haben ist das noch widersprüchlicher. Denn wenn man die reguläre Schulzeit freier, individueller und offener gestalten will muss man in die frühkindliche Bildung mehr investieren. Das ist meines Erachtens sowieso das bessere Modell um eine bessere Chancengerechtigkeit herzustellen. Dies jedoch zu verneinen und dann gleichzeitig weniger Disziplin in Klassen einzufordern ist fernab jeder Realität.

    Die meisten Lehrer bedauern doch selbst, dass so viel Disziplin notwendig ist. Wenn es anders wäre dann wäre ich zumindest Militärausbilderin geworden. Ich liebe meine Fächer und bin super glücklich wenn ein Kind meine Unterrichtsinhalte nicht nur lernt weil es das muss, sondern weil es sich wirklich dafür interessiert. Das sind fast alle Lehrer, da sie ja fast alle ihre Fächer mögen. Nur leider sind die Kinder selbst in der Grundschule aber vor allem schon in Klasse 5 schon so sozialisiert, dass die Umgebung noch freieres unterrichten gar nicht zulässt. Auch wenn wir das gerne würden. Wir haben so schon Probleme den Stoff zu behandeln.

    Mein Fazit zur Bildungsdebatte:
    Ich persönlich sehe die Defizite, die die lange bestehen und auch die sich in letzter Zeit verschärft haben.
    Frontalunterricht war schon zu meiner Schulzeit nicht die einzige Unterrichtsmethode. Da gibt es schon sehr lange Entwicklungen.
    Wer meint diese Modellschulen könnte man einfach so als Musterbeispiel für alle Schulen übernehmen lebt nicht in der Realität. Jeder der das behauptet soll doch mal in eine Hauptschulklasse gehen.

    Es gibt eine Menge Defizite im Schulsystem das ist schon längst Konsens. Gleichzeitig sind viele verschiedene Ansätze da um diese Defizite auszugleichen. Es werden auch eine Menge umgesetzt (viele auch leider nicht). Leute wie Hüther und Precht stellen gerade in ihren Fernsehauftritten eine Welt da die so nicht existiert. Nämlich die der uneinsichtigen Bildungsakademien, die die Leute in Formen pressen und die Inhalte wie bei der Gans oben rein stopfen. Das wird gerne gekauft ist aber viel zu platt und hilft bei der tatsächlichen Ausgestaltung eines besseren Bildungssystem kein bisschen.

    Warum werden Kinder mit 2 sprachiger Erziehung, Sportkurs, Musikkurs etc. von übereifrigen Eltern überfordert? Weil dort die Konzepte fehlen. Das ist nicht gut für die kindliche Entwicklung zeit aber was in meinen Augen das Hauptproblem ist perfekt. Die Kinder von Bildungsbürgern werden so oder so gut ausgebildet, gebildet und gefördert. Wohl auch zu viel, aber am Schluss ist die Bildung da.
    Doch die Kinder die auf der Strecke bleiben sind die „Unterschichten“. Wenn diese Kinder dann dann Projektarbeit machen hilft das kein bisschen. Es braucht eine stärkere frühkindliche Sozialisation (muss keine Schulbildung sein) denn wenn die Kinder in die 1. Klasse kommen und dort schon viel weniger kognitive Fähigkeiten gepaart mit schlechtem Benehmen haben ist der Zug schon längst abgefahren. Parallel dazu sollte sollt das mehrgliedrige System abgeschafft werden. Gerne kann mit Kursen wie in der Gesamtschule gearbeitet werden, aber der Übergang zu höheren Bildung muss vereinfacht werden. Weiterhin ist meines Erachtens nach erforderlich den Humanismus und gepaart mit kritischen Gesellschaftsverständnis in dem Unterricht zu verbreiten. Dafür müssen Philosophie, Normen und Werte, Medienkompetenz, Verständnis von Politik, Geschichte und Gesellschaft verstärkt werden. Ich denke dass diese Ansätze die wirklich relevanten sind. Ob Frontalunterricht oder Gruppenarbeit sollte der Lehrer dann individuell entscheiden dürfen. Bitte nicht auf-diktiert von Leuten die den Klassenraum noch nie aus Position des Lehrers gesehen haben.

    Da ich erst sein ein paar Wochen mit ADHS diagnostiziert bin und daher auch die Medikation erst sehr kurz einnehme ist meine Stellungnahme hier weitaus geringer.

    Ich selbst habe Angst vor der dauerhaften Einnahme von Medikinet, weil ich kein von permanenter Einnahme von Medikamenten bin. Gerade, da es keine gesicherten Langzeitbefunde gibt habe ich auch als Erwachsene Angst dauerhafte Schäden zu erwarten.

    Ich bin selbst der Auffassung, dass die Diagnose ADHS viel zu häufig gestellt wird, da es sowohl die Lehrer als auch die Eltern von ihren Schuldgefühlen befreit und die Pharmakonzerne glücklich macht.
    Die Forschung zu dieser Krankheit und auch deren Existenz sind höchst kontrovers und von Hüther sehr vereinfacht wenn er meint mit einem Besuch auf der Alm ist alles gelöst.

    Aus meiner Erfahrung mit Schülern die ADHS haben, mit meinen eigenen Ärzten und mit Selbsthilfegruppen kann ich sagen, dass kein halbwegs guter Arzt Ritalin verschreibt und dann nichts mehr macht. Mir wurde von meiner Ärzten bewusst gemacht, dass es keine pathologischen Befunde gibt. Ich habe regelmäßige Termine und Untersuchungen um die Medikation zu bewachen. Gleichzeitig wurde begann parallel die Psycho- und Verhaltenstherapie. Selbsthilfegruppen wurden mir ebenfalls empfohlen.

    Auch wenn ich skeptisch gegenüber diesem Medikament bin merkte ich direkt wie Zwangsstörungen wie dauerhaftes Kratzen verschwanden und ich mich viel stärker konzentrieren konnte. Adjektive wie vergesslich, verträumt, in Gedanken versessen, unzuverlässig, faul passten meiner Meinung nach Perfekt auf mich. Mit dem Medikament ist meine Fähigkeit fokussiert zu bleiben so viel besser, das ich das Gefühl habe ich wäre vorher gar nicht in der Lage gewesen klar zu denken.
    Ich wurde streng erzogen und habe als einziges Kind in der Familie Abitur gemacht und auch wenn damals schon ADHS-Vorzeichen immer da waren waren sie daher nie ein Problem. Ich erkenne jetzt im Nachhinein wie sehr das mein Leben beeinflusst hat und einfach zu sagen, dass es so was nicht gibt ist daher nach meiner eigenen Lebenserfahrung viel zu plump.

    Ja ADHS-Diagnosen nehmen zu und sicherlich zumeist unberechtigt und das weil die Gesellschaft von Kindern mehr fordert.
    Jedoch gab es vor vor 30 Jahren diese multimediale Überforderung der Kinder nicht. Vor 50 Jahren machte man den Abschluss den die Eltern gemacht haben und sehr wahrscheinlich auch einen ähnlichen Beruf. Ein paar Jahrzehnte davor übernahm man genau den selben. Der Lebenslauf war so in festen Bahnen das es für das ADHS gar keine Möglichkeit gab sich zu zeigen. In der Schule wurde die Auffälligkeit ausgeprügelt dann saßen die halt da und haben nichts gelernt…
    Solche historischen Gegebenheiten werden bei Hüther nicht erwähnt.

    Ich würde mich selbst als emanzipatorisch, alternativ und linksliberal verstehen. Ich bin sehr kritisch gegenüber Pharmakonzernen und bin mir sehr bewusst, dass Medizin und Forschung beeinflussbar sind. Weiterhin sehe ich einen erheblichen Änderungsbedarf in unseren Schulen. Jetzt wo mich ADHS mehr betrifft bin ich auch auf der Suche nach kritischer Betrachtung dazu, doch Hüther ist so unreflektiert, dass dieser noch nicht einmal geeignet ist Bewusstsein für ein Thema zu schaffen.
    Bei der Bildung werden durch solche eindimensionale Betrachtungen ernsthafte Reformversuche ebenfalls nur erschwert.

  14. Sehr geehrter Herr Grell,

    in vielem kann ich Ihnen zustimmen.

    Nur, was soll dieses „Pfadfinderabzeichen“?

    Sicher ist der Begriff Pfadfinder nicht geschützt und unter dieser Bezeichnung kann man auch einige Verirrungen finden, doch, und da haben Sie etwas verpasst, betreiben die allermeisten Pfadfindergruppen eine moderne Pädagogik, die bereits vor Jahrzehnten die Vorurteile, die wohl auch in Ihrem Kopf hängen geblieben sind, weit hinter sich gelassen hat.

    Freundlichst kann ich das nur als peinlichen Ausrutscher werten.

    Herzlichst
    Andreas K
    (Jahrelang als Gruppenkind und Leiter bei diesen Abzeichensammlern gewesen.)

    • Hallo Andreas,

      danke für Ihren Beitrag. Sie missverstehen meine Motivation, den Ausdruck „Pfadfinderabzeichen“ zu verwenden, leider sehr. Und so kommt es zu diesem – für Sie scheinbar sehr verletzenden – Missverständnis. Daran kann ich Anteil nehmen. Allerdings greife ich aus meiner Sicht keine Pfadfinderorganisation und auch nicht das Prinzip der Pfadfinder an, weswegen ich zum jetzigen Stand Ihrer Ausführungen nicht über eine Richtigstellung nachdenke.

      Zur Klärung für Sie allerdings: Ich habe Pfadfinderabzeichen und Hochschultitel im Artikel als Beispiel für Statussymbole angeführt. Und Statussymbole werden leider gelegentlich von Menschen verwendet bzw. missbraucht, um sich über andere Menschen zu erheben. Damit kann man aber nicht mehr auf Augenhöhe reden und diskutieren. Und eine solche „Erhebung“ über Andere hat auch noch weitere negative Konsequenzen bzgl. der Empathie gegenüber anderen Menschen. Ich vermute, die Pfadfinderorganisation, bei der Sie waren, hat es auch nicht gutgeheißen, wenn sich Pfadfinder mit Abzeichen über Pfadfinder ohne Abzeichen lustig gemacht haben? Genauso ist auch mein Absatz zu verstehen, ich empfehle: Man soll sich nicht über Menschen mit mehr oder weniger Abzeichen lustig machen, sondern auf Augenhöhe und über Inhalte reden.

      Ich hoffe, Sie können diesen Absatz jetzt anders lesen.

      Freundlichen Gruß, Hagen Grell.

  15. Ich, der Professor Hüther in einem aus meiner Sicht intensiven, persönlichen Gespräch zwischen Blogger und Wissenschaftler kennen lernen durfte, bin auch nicht einverstanden, in welcher Form Hüther hier diskreditiert wird. Kurze Notiz auch drüben bei mir, der diese umfassende Stellungnahme optional ergänzt: http://blog.frankstratmann.de/2013/08/30/gerald-huther-ist-fur-mich-kein-totes-holz/

  16. Der Beitrag hat mir auch aus der Seele gesprochen – Zustimmung in allen Punkten. Und wer die Wahrheit von Gerald Hüther nicht hören möchte, der möge doch dann einfach auf andere („seriösere“) Forscher zurückgreifen, die sich inhaltlich ganz ähnlich und wissenschaftlich fundiert zum Thema geäußert haben……z.B. Joachim Bauer („Lob der Schule. Sieben Perspektiven für Schüler, Lehrer und Eltern“), Manfred Spitzer („Medizin für die Bildung“) oder Gerhard Roth („Bildung braucht Persönlichkeit. Wie Lernen gelingt“)….die Erkenntnisse, was falsch läuft und wie man es besser machen könnte sind bei allen Autoren – einschließlich Gerald Hüther – ziemlich ähnlich….

  17. Wenn Hüther nun aber von wissenschaftlichen neurobiologischen Tatbeständen ausgeht und darauf seine Argumentation stützt, diese jene Tatbestände einer neurobiologischen Unterprüfung aber nicht in allen Punkten standhalten würden, macht er sich dann nicht unnötig angreifbar für seine Gegner? Verstehen Sie mich nicht falsch, natürlich sollten Hüthers Thesen weiterverbreitet werden, doch es wäre schade, wenn seinen Gegnern damit Angriffsflächen geboten werden.

    • Ich sehe es auch so, dass die Thesen von Herrn Hüther gründlich geprüft werden sollten. So wie alle Thesen sollten sie an der Realität bzw. eben Empirik gemessen werden. Ich denke aber auch, dass man von niemandem verlangen kann, dass er gleich „alles richtig“ haben muss. Deswegen würde ich sagen: Hüthers Thesen (und alle Thesen von Menschen, die glauben, einen wertvollen Beitrag zur Debatte leisten zu können) raus in die Welt und dann von der Welt Feedback dazu holen. Im Artikel von Martin Spiewak schien mir allerdings der Tenor zu sein: „Klappe halten, wer kein hochdotierter Wissenschaftler ist“. Und ich denke, damit verschenken wir uns als Gesellschaft wertvolle Impulse von, sagen wir, z. B. nur 50%igen Theorien oder 70 oder 80%igen Theorien, die wichtige Impulse für noch nützlichere Theorie und Thesen liefern.

  18. Danke für die Gegendarstellung.
    Mein Vertrauen in die Visionen und Inhalte des Gerald Hüther hat durch den Arktikel ebenfalls nicht gelitten. Ich sehe darin den Aufschrei und die Angst derer mit so mancher „Unbeweisbarkeit“ zu Beginn eines Umbruches – zu leben.
    Etwas zu riskieren. Sich auch mal angreifbar zu machen und dabei ausschließlich authentisch zu sein rührt somanchen Mitmenschen auch auf. Mark Twain sagte mal: „Menschen mit einer Idee gelten solange als Spinner, bis sich die Sache durchgesetzt hat!“
    In diesem Sinne.
    Daniela Hüthmair

  19. Aber es geht Spiewak doch überhaupt nicht darum, dass Hüther kein Professor ist. Sondern er weist – völlig zu Recht! – darauf hin, dass Hüther sich selbst so darstellt, als sei er Professor, Arzt, Leiter der „Zentralstelle“ usw. Und DAS ist die Augenwischerei. Egal wie, Schule sollte unter anderem zu Aufrichtigkeit erziehen, und in dieser Hinsicht vertraue ich einem Selbstdarsteller wie Hüther überhaupt nicht.

    • Hallo Karla, finde ich einen berechtigten Ansatz, dass Sie sagen, dass Herr Spiewak versucht, eine mögliche irreführende Selbstdarstellung von Herrn Hüther richtigzustellen. Wäre es allerdings dabei geblieben, hätte ich auch keinen Artikel geschrieben. Mich hat der Artikel von Herrn Spiewak darum animiert, weil er über die Gegendarstellung hinaus Beleidigungen („Zimmerchen“), Beschimpfungen („Wunderdoktoren“) usw. enthielt. Sobald in einem Artikel sachlich und respektvoll argumentiert wird, werde ich höchstwahrscheinlich auch keine solche Analyse dazu schreiben. Das empfand ich in diesem Artikel allerdings nicht so.

      Noch eine Frage aus Interesse: Warum empfinden Sie Herrn Hüther vornehmlich als Selbstdarsteller? – Aus dem Feedback, das ich die Tage bekommen habe, konnte ich feststellen, dass er sich für viele Projekte einspannen lässt. Wäre Ihre Interpretation, dass er das nur für persönlichen Ruhm tut?

    • Wenn wir genau hinschauen, ist jeder Mensch ein Selbstdarsteller. Nur lernen wir in der (Regel)Schule, das genau nicht mehr zu tun, sondern vorgegebene Rollen einzunehmen. Was denn Menschen wie Nelson Mandela dazu bewegt hat, einzubringen, dass der Mensch mehr Angst vor seiner eigenen Größe hat, denn vor seiner Kleinheit ( sinngemäß).
      Wenn also authentische Menschen wie Hüther, durch Infotainment, die Menschen beim Thema halten und Informieren können, dann kann das bei eingen Menschen, das Gefühl auslösen der Aroganz, etc.
      Wer allerdings mit Hüther mal Kontakt hatte, der weiß, dass es Briefe von Schülern einer freien Schule, die um Hilfe bitten, genau so beantwortet wie jedem anderen auch. Neid muß man sich im übrigen hart erarbeiten :-))

      • WOW, das finde ich wirklich ein starkes Statement! Danke für den Beitrag, „Peters“! Interessant finde ich einerseits die Idee, dass Infotainment auch nützlich sein kann (wenn es nicht gerade reißerisch und lau recherchiert ist, wie Pro7-Galileo damals, als ich noch ferngesehen habe). Noch interessanter finde ich allerdings den Verweis auf „mehr Angst vor der eigenen Größe als vor der eigenen Kleinheit haben“. Das finde ich krass: Ich habe auch das Gefühl, dass das vielen Menschen so geht. Ich selbst bin so (ein stückweit durch meine Eltern, ein großes Stück durch Schule) aufgewachsen, nur ok zu finden, wenn ich meine eigenen Gedanken als klein ansehe und die Gedanken der „Autoritäten“ als groß.

  20. Ich stimme zu, dass Herr Spiwak gemäß dem Leitspruch „practice what you preach“ besser seine Behauptungen belegen sollte. Aber an der generellen Kritik an Gugurs gibt es IMO wenig zu kritisieren und so finde ich es schade, dass hier weniger auf die generelle Motivation geachtet wird. Denn was die Herren Hüther, Spitzer und Precht von sich geben, ist doch – und das findet sich ja in anderen seriösen Medien auch (z.B. http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article115500466/Ihr-Buch-ist-ein-sinnloses-Aergernis-Herr-Precht.html) – einfach sehr, sehr platt. Und da hinter jetzt gleich eine Art von Verschwörung zu wittern, die darauf abzielt, die Meriten der Herren zu diskreditieren, finde ich auch nicht zielführend. Wenn ein Herr Hüther selbst zu gibt, dass er für Forschung nicht zuständig ist, dann sollte man das nicht unkommentiert stehen lassen, wie auch die Haltung seiner FachkollegInnen.

    Der Debatte würde sicherlich helfen, wenn sich mehr NeurowissenschaftlerInnen und PhilsophenInnen beteiligen, die zeigen, dass das Ganze wesentlich komplexer ist. Es ist gerade das Miteinander der verschiedenen Disziplinen und nicht das Gegeneinander (Pädagogik vs. Hirnforschung), was eine seriöse Debatte behindert.

    • Hallo Herr Deimann, danke für Ihren Kommentar und Ihren Beitrag zur Diskussion!

      Ich hätte gleich zwei Fragen: Erstens, ob Sie in meinem Artikel einen Hinweis auf eine mögliche Verschwörung gegen Herrn Hüther sehen oder ob Sie sich auf eine andere Quelle beziehen? Zweitens: Welche Kritik würden Sie denn angemessen sehen, dahingehend, dass Herr Hüther oder Precht nicht selbst in der Richtung forschen? – Ist es nicht gerade die Verbindung verschiedener Disziplinen, wenn Wissenschaftlicher und Philosophen sich auf andere Wissenschaftler und auch auf die Erfahrungen von Lehrern und anderen Pädadogen beziehen und aus diesen schlussfolgern?

      Stimme Ihnen auf der anderen Seite vollkommen zu, dass ich auch gern noch viel mehr Stimmen und Ideen aus verschiedenen Disziplinen an der Debatte beteiligt sehen würde!

      • Nein, ich sehe in Ihrem Artikel keine mögliche Verschwörung, Herr Grell. Mir geht es darum, Kritik als solche ernst zu nehmen und nicht die Art und Weise, wie sie vorgetragen wird. Wir müssten viel kritischer die Parolen von Hüther, Precht und co. hinterfragen und abklopfen, ob (a) es empirische Evidenz dafür gibt und (b) auf welchen bildungsphilosophischen Annahmen die Parolen beruhen. Dann würde wir merken, dass es so revolutionär oftmals gar nicht ist, sondern schön verpackter Wein. Ähnlich läuft zur Zeit auch die Debatte um die Massive Open Online Courses (siehe dazu meinen Beitrag: http://markusmind.wordpress.com/2013/09/17/moocs-oder-murks-thesen-zum-streitgesprach-oerde13/)

        • Hallo Herr Deimann, also ich stimme Ihnen zu, wenn Sie fordern, Parolen auf Herz und Nieren empirisch abzuklopfen. Allerdings muss das dann natürlich auch für die alten Parolen gelten, die sich über lange Zeit in unser „kollektives“ Bewusstsein eingebrannt haben: „Schüler müssen bewertet werden, um angesport zu werden und starke Leistungen zu erreichen“, „der Frontalunterricht ist die beste Lehrmethode“, „Theorie vor Praxis“, „Lehrer wissen per se mehr als Schüler“. All diese Aussagen müssen Sie meiner Meinung nach genauso mit auf den Tisch packen und empirisch prüfen, wenn Sie ein faires Bild bekommen wollen. Nur die neuen, aber nicht die alten Ideen zu prüfen, führt, denke ich, immer zu Stagnation, Stillstand und Verkrustung. Also: Alle Thesen auf den Tisch, die alten wie die neuen, und diese dann prüfen? – Dann bin ich voll auf Ihrer Wellenlänge! :)

    • Na das ist doch eine gute Reaktion – merci und die Antwort von Herrn Grell lässt den Bezug vermissen –

      • Hallo „Schwall“, meinen Sie, ich lasse den Bezug zur Schulreformsdebatte vermissen? – Wenn ja, haben Sie natürlich recht. Das Hauptthema meines Artikels ist allerdings auch nicht die Bildungsdebatte, sondern die Diskussionskultur, die meiner Meinung nach nur in Respekt für die anderen Diskussionsteilnehmer und Offenheit für neue Argumente funktionieren kann. Das habe ich am Zeitartikel kritisiert.

  21. Ich bin überzeugt, dass jeder schon mal die eigene Erfahrung gemacht hat, dass wenn Sie oder Er mit Interesse, Freude und Begeisterung lernt, der Prozess des Lernens leichter und umfassender ist, als wenn man mit Wiederwillen und Desinteresse Dinge lernen muss um eine Prüfung zu bestehen. Soweit ich Herrn Prof. Hüther verstanden habe, liegt inhaltlich hier sein Reformansatz, also weg vom sturen Abhakplan, hin zu kreativem Erarbeiten.

    Wer dem nicht folgen mag, der möchte die Zahl der kreativen Denker in diesem Land verhindern, ist das Schulsystem an den kostspieligen Privatschulen doch längst an die Erkenntnisse der Gehirnforschung und den Ausarbeitungen Prof. Hüthers angepasst.

    Menschen die alte Strukturen verändern möchten, wurden immer schon angegriffen. Auch heute kennt man dies aus Boulevardzeitungen, dies jedoch in der „ZEIT“ zu lesen würde mich mein Abonnement kündigen lassen, wenn ich dieses hätte.

  22. … immer wieder aufschlussreich, wie auch nach eigener Auffassung seriöse und journalistisch anspruchsvolle Medien – Zeit, Spiegel u.a. – Altbackenes und Gestriges propagieren und neuen Entwicklungen damit versuchen, Steine in den Weg zu legen. So als wären die Autoren dem Mainstream verpflichtet statt sich tagsächlich offen und differenziert damit auseinander zu setzen.
    Als Psychotherapeut staune ich immer wieder über die weitverbreitete Wertschätzung der Psychoanalyse, die im Zweifel meist als Referenz herangezogen wird, im naturheilkundlichen Bereich wundere ich mich über die ewig-gestrige Polemik gegen alles was nicht zweifelsfrei wissenschaftlich erwiesen scheint, wie die meisten ganzheitlich-übergreifenden Ansätze, die täglich landauf, landab Menschen helfen.

    Danke! für Ihre differenzierte Rehabilitation des tendenziösen Hüther-Verrisses in der Zeit.
    Experten wie Gerald Hüther – Juul und Spitzer – sind unverzichtbar!
    Sie schlagen die wichtige Brücke zwischen dem Elfenbeinturm der Wissenschaft und deren Umsetzung in der praktischen, täglichen Realität.

    Meine Frau arbeite als Grundschullehrerin, ich selbst bin Psychotherapeut und Seminarleiter. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, wie ungemein wichtig die theoretischen Beiträge und Zusammenhänge von Gerald Hüther für ihre Arbeit mit Kindern und meine Arbeit mit Erwachsenen ist. Sie bilden die Grundlage für eine engagierte, qualifizierte und nachhaltige Entwicklung, sind Inspiration, Kompass und wissenschaftliche Fundierung.

    Gerald Hüther hat sich von der Sinn-Stiftung getrennt, Management-Fehler eingeräumt und für diesen Fehler die Verantwortung übernommen. Seine Kritik am Ritalin-Wahnsinn in der ADHS-Therapie wird dadurch nicht geschmälert.

    Jeder, der ihn einmal erlebt hat, auf Vorträgen oder auch ganz persönlich, ist von seinem bescheidenen Auftreten und von der Wirkung seiner Botschaft beeindruckt.

    Wahrscheinlich gilt auch hier wie so oft:
    Viel Feind – viel Ehr.

  23. Es ist eine einfache Wahrheit und manchmal folge ich diesem Pfad lieber als den komplizierten Wegen: Folge dem Geld! Das heißt nicht, dass Herr Spiewak persönlich Geld angenommen hat. Aber es könnte heißen, dass er Stilblüte geworden ist, auf dem Dünger / Mist von Interessengruppen, denen die Forderungen und zarten Entwicklungen hin zu einer gehirngerechteren Bildungsmethode „abträglich“ sind ;)… Die Argumente Spiewaks entbehren ja nicht einer gewissen „Logik“ des herrschenden Systems, eines Systems von Kasten der Unberührbarkeit. Hier geht „es“ nicht um Verbesserung / Weiterentwicklung, etc. Hier geht es anscheinend um die „Verteidigung des Abendlandes“ oder ähnlich „sinnvoller“ Plattitüden, besser, um das Bewahren der eigenen Pfründe! Wie gesagt: Innerhalb einer konservativen Logik zieht der „Bericht“ Spiewaks… Aber genau diese Verkrustungen gilt es doch aufzubrechen und „Neues Land“ zu entdecken 😉 Hier beweist sich auch wieder eine andere Erkenntnis: Es reicht nicht, von seinem guten Ruf zu leben! Man muss täglich immer wieder darum kämpfen und seiner Selbstsicherheit misstrauen! Auch „Die Zeit“ sollte darüber nachdenken, ob sie der Tradition der kritischen Aufklärung weiterhin folgt (was sie „groß“ gemacht hat!) oder allmählich auch dem „Lockruf des Geldes“ erliegt 😉

  24. Danke für die angeregte öffentliche Diskussion

  25. Als Galilei aufgrund seiner Vermutungen und Berechnungen behauptete, die Erde sei nicht der Mittelpunkt des Universums, wurde er der Ketzerei angeklagt und musste widersagen. Als Einstein seine Relativitätstheorie veröffentlichte, wurde seine Theorie von Wissenschaftlern in Frage gestellt. Wenn ein Denker heute Theorien aufstellt, die heute vielleicht noch nicht beweisbar sind, dann unterstellen Journalisten wie Spiewak Ambitionen des narzistischen Selbstdarstellungstriebs. Wer das Denken nicht angreifen kann, greift den Denker an – und disqualifiziert sich damit selbst.

  26. Die Realität ist die Summe dessen, das der einzelne wahrnehmen und verstehen vermag. Ergo hat jedes Individuum seine ganz eigene Wirklichkeit.

    Über „Die Illusion der Wirklichkeit“ findet sich in der ZDF Mediathek ein schöner Beitrag, für den sich der ZEIT-Zeilenfüller einmal Zeit nehmen könnte!?

  27. Sehr gelungener Kommentar!
    Erst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich
    dann bekämpfen sie dich, und dann GEWINNST du! YES

  28. Vielen Dank!

  29. Eine haltlose Kritik, wie die Spiwaks, ermuntert mich zum Griff in meine Schublade niveauloser Zitate aus dem Film „Notting Hill“: „Die Zeitungen von heute, sind das Altpapier von morgen!“ Als Sozialpädagoge und Musiktherapeut, weiß ich daß Gerald Hüther recht hat. Nicht nur weil die Erziehungswissenschaft Tübingen Ähnliches seit mindestens 40 Jahren „predigt“, und das Oberschulamt dennoch seinen sturen blinden Kurs fährt, sondern weil ich es selbst täglich seit 26 Jahren in meiner Arbeit erlebe.

    • Wunderbar! Danke fürs Teilen, Michael!

      Sie liefern damit quasi die „Empirie“, die Herr Spiewak für die Thesen von Herrn Hüther fordert. Wirklich blöd, dass das Oberschulamt sich querstellt! Umso wichtiger, dass Leute wie Hüther, Precht, Juul und zB auch Manfred Spitzer durch die Lande tingeln und neue Impulse und Anregungen (und eben nicht nur die eigenen) in die Öffentlichkeit tragen!

  30. Wer mit dem Finger auf einen Anderen zeigt, sollte sich bewusst machen, dass dabei drei weitere Finger der Hand auf ihn selbst zeigen…
    Sehr gelungene Analyse des Spiewak-Artikels

  31. Es muesste mit dem Leibhaftigen zugehen, wenn ich mich irren sollte, aber diesen ganzen geistigen Unrat habe ich schon vor vielen Monaten mal in einem (aehnlich negativ ausgerichteten) Forum gelesen. Ich hatte damals den Eindruck, dass da jemand gezielt versucht, Dreck zusammenzutragen, und die Beitraege waren auch entsprechend. Das wuerde aber bedeuten, dass dieser journalisitsche Hirnzwerg (Volker Pispers moege mir den Wortklau gestatten) nicht einmal selbst recherchiert hat, allenfalls teilweise. Auch insofern ein ¨thumbs up¨fuer die gelungene Gegendarstellung. Auch unsere Bundespolitiker aeussern sich aktuell besonders zu Sachverhalten, von denen sie um ein Vielfaches weniger Ahnung haben als man den hier betroffenen 3 herren vorwirft. Selbst da waere mir die Art von Prof. Hueter deutlich angenehmer. 😉

    • Hallo Bernd,

      danke für das Lob und die weiterführenden Gedanken. Tatsächlich könnte der Artikel auch als ein gezielter und nicht nur beiläufiger Angriff auf Herrn Hüther und die neue Bildungsbewegung geplant gewesen sein. Die gezielte und zugegebenermaßen kunstvolle Diskreditierung durch Herrn Spiewak könnte das nahelegen. Ich kann allerdings das Motiv von Herrn Spiewak nicht klar erkennen. Vielleicht ist er tatsächlich Verfechter und Bewunderer des alten Systems. Vielleicht fühlt er sich irgendwie vom Werdegang von Herrn Hüther in den letzten Monaten persönlich angegriffen, wie auch immer. Allerdings sehe ich seinen Artikel insofern tatsächlich positiv, dass er vielen Hüther-Gegnern bzw. Bildungswandel-Gegnern half, ihren Ärger mal rauszulassen. Und wiederum Bildungswandel-Befürwortern die Möglichkeit gab, sich dazu zu positionieren und Klärung zu schaffen.

      Aber das nur mal so philosophisch. Freue mich, dass der Artikel bei Ihnen einen Nerv getroffen hat. Und, genau wie Sie es andeuten: In einer Zeit, wo uns in der medialen Öffentlichkeit so viele Selbstdarsteller begegnen, sollten wir vielleicht wirklich lieber gezielt anfangen, uns die Inhalte statt der Personen anzuschauen. Allerdings: Eine angenehme, unüberhebliche Präsentation der Inhalte kann dabei natürlich helfen 😀

      Beste Grüße, Hagen.

  32. Warum tut es so weh, die Bildungspolitik neu zu überdenken?
    Es ist höchste Zeit.
    Ich bin dankbar, dass es so mutige Menschen unter uns sind.

    • Hallo! Da stimme ich zu! Ich freue mich auch sehr, dass wir langsam aus dem alten Trott heraus kommen. Eben durch mutige Menschen wie Herrn Hüther, Richard David Precht, Jesper Juul, Manfred Spitzer, um einige zu nennen. Ich freu mich, was da auf uns zukommt und was wir im Zuge des Internets heute alle mitgestalten können 😀


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